Weniger ist mehr

 

Wie kann man sich überhaupt leisten 7 Monate zu reisen, kein Geld in der Zeit zu verdienen und die laufenden Kosten Zuhause zu tragen?

Gehen wir hier mal von uns aus. Normalverdiener, die vor dem Reiseprojekt auf wenig verzichtet haben im Alltag und die es sich allgemein gut gehen lassen. Man versucht jeden Monat nicht den ganzen Monatslohn zu verpulvern, was jedoch nicht so leicht ist, wenn man mithalten möchte. Sparen war also immer nur begrenzt möglich, bzw. sahen wir ohne Ziel auch keinen Grund.

Als dann fest stand, dass wir so eine lange Reise machen möchten, sahen wir plötzlich alles anders. Materielles bekam einen ganz anderen Wert: Altes muss nicht immer sofort ersetzt werden, Kaputtes kann repariert werden, der Kleiderschrank muss nicht jeden Monat gefüttert werden, Unnötiges kaufen, ist wie das Wort schon sagt nicht nötig. Anfangs ist es schwer zu „verzichten“. Die Gewohnheit halt.

Nachdem wir viele unserer Sachen, die wir nicht mehr brauchten, verkauft haben, sind wir auf den Geschmack des Minimalismus gekommen. Es is ein befreiendes Gefühl. Der Kopf fühlt sich leicht, zufrieden und geordnet an. Das Wesentliche kommt zum Vorschein. In diesem Moment merkt man, dass Materielles nicht glücklich macht. Überfluss stresst und macht süchtig nach mehr. Je mehr man hat, desto mehr möchte man und die Unzufriedenheit bleibt.

Letztendlich ist es doch so, dass man nur so viel Geld braucht, wie wir konsumieren. Je weniger wir konsumieren, desto weniger Geld brauchen wir. Dann kann man entweder weniger arbeiten (um sich dem zu widmen, was einem wichtig ist) oder gleich arbeiten und das Geld z.B. für Reisen sparen.

Auf Dinge zu verzichten ist also für uns kein Problem mehr, es hat sich sogar als wohltuend für die Seele rausgestellt. Schwieriger ist es auf gesellschaftliche Anlässe zu verzichten, wie auswärts Essen, Kino und sonstige Freizeitaktivitäten. In unserem 100%-Job-Alltag, ist ein Restaurantbesuch eine Belohnung des Tages oder eine Möglichkeit mit Freunden Zeit zu verbringen. So haben wir öfter Freunde nach Hause eingeladen. Geht doch und war genauso schön. Ausserdem haben wir in unserer Freizeit viel mehr Zeit in der Natur verbracht. Es gibt in der Umgebung so viele wunderschöne Orte zu Fuss, mit dem Fahrrad oder auf Rollerblades zu entdecken. Der Montag fühlt sich viel entspannter an, wenn man das Wochenende auf grünen Wiesen oder an Bergseen verbringt, statt sich durch die überfüllten Gänge von Ikea zu schieben.

Zudem wird man auch kreativ und erfinderisch. Wir brauchten z.B. einen Esstisch für die Terrasse. Aber was für eine grosse Ausgabe wenn doch unsere grösste Priorität die Reise ist. Also haben wir einen alten Holztisch und vier Stühle in Shabby Chic Style gestrichen et voilà unsere Terrasse ist nun ein Hingucker. Wir werden ab jetzt an viel mehr selber basteln, ist persönlicher und macht Spass.

Moral der Geschichte: die Reisekasse ist voll, wir haben uns von Unnötigem befreit und uns durch Erlebnisse in der Natur und tolle Momente mit Freunden bereichert.